SO WIRKT SUCHTSELBSTHILFE!

„Genug zu haben, ist Glück. Mehr als genug zu haben, ist unheilvoll. Das gilt von allen Dingen, besonders aber vom Geld.“ (Lao -Tse).

Dieses Zitat beschreib kurz und knapp, die Auswirkungen von Gier oder süchtigen Verhalten, aber auch die Einschränkung als Möglichkeit zur Genesung.

Aber Dies lässt sich inzwischen mit bildgebenden Verfahren im Gehirn nachweisen, die darauf hindeuten, dass die biografische negative Beziehungserfahrung von Suchtkranken als Störung in dem sogenannten Belohnungssystem des Hirns einprogrammiert sind.

Diese Störung versuchtder Suchtkrankedurch den Drogenkonsum selbst zu heilen, will durch den Substanzmissbrauch die Folgen der biografischen Störungen und Kränkungen (Hemmungen, Ängste, Unsicherheiten usw.) ausgleichen.

Dabei gerät er in einen Teufelskreis, weil die Drogen einen Vorgang stören, den die Wissenschaftler Neurogenese nennen. Durch diesen Prozesswerden immer wieder neuronale Netzwerke in unserem Hirn gebildet, die für das Kurzzeitgedächtnis und das Lernen notwendig sind. Die Vermehrung von Vorläuferzellen im Hippocampus, die für die Neurogenese erforderlich sind, wird durch Alkohol, Nikotin aber auch Morphium und Heroin unterdrückt, so das es zu einer Einschränkung der Wahrnehmungs- und Lernfähigkeit aufgrund der reduzierten Neurogenese beim Substanzmissbrauch kommt.

Dies erklärt auch auf der Verhaltensebene, weshalb ein Suchtkranker sich
immer mehr in sich selbst zurück zieht und eine erworbene Depression ausbildet.
Auch der Niveauverlust, das umgangssprachliche „der hat sein Gehirn versoffen“ und die körperliche Steifigkeit, die wir bei Süchtigen beobachten, lässt sich so verstehen.

Interessanterweise gibt es Befunde, dass nach vier bis fünf Wochen Abstinenz, die Neurogenese also die Neuronenproduktion wieder anspringt, sich also Kurzzeitgedächtnis und Lernfähigkeit regenerieren. Es bleiben aber die Stoffwechselveränderungen im Körper, weshalb z.B. beim erneuten Konsum von Alkohol, ein Alkoholkranker immer wieder einen Kontrollverlusterleben wird.

Dies erklärt auch, weshalb z.B. die kognitive Verhaltenstherapieoder das 12 Schritte Programmder Anonymen Alkoholiker bei abstinent lebendenSuchtkranken erfolgreich sein kann. Durch meine 16 jährigen „wilden“ Biographieforschungen konnte ich aber auch beobachten, dass Menschen, die ihren Lebensstil nach der Einstellung ihres Substanzmissbrauch verändert haben –also nicht nur Altes wiederauffrischten sondern auch Neues erlernten-, eine lustvollere Abstinenz leben, als „Staubtrockene“, die versuchen angepasst so weiter zu leben und zu streben wie vor der Abstinenzentscheidung. Sie erleben nicht die für eine zufriedene Lebensweise notwendigeVeränderung in Ihrem An- und Entspannungsrhythmen, denn nichts ist so stetig wie der Wandel.

Suchtselbsthilfe soll Anregungen für lebendig machende aktive Lebensstilveränderungen in unserer entgrenzten Medien – und Konsumkultur geben: Wege in glückliche Abstinenz und Cleansein aufzeigen.

Damit soll auch die Wichtigkeit und Wirksamkeit von sozialen Erfahrungen, wie sie in Selbsthilfegruppen möglich sind, für den Genesungsprozess deutlicht werden. Durch wertschätzende Erfahrungen können positive Beziehungen wachsen und Suchtkranke, aber auch die Mitbetroffenen, ihre krankheitsbedingten Einengungen und Scham überwinden. Erleben, dass aus stetigen Kontakten und Begegnungen im Laufe der Zeit vertrauensvolle Beziehungen und Freundschaften wachsen. Dabei kann es hilfreich sein, dass dieser Prozess von abstinent lebenden Suchtkranken, die sich aktiv mit ihrer Krankheit auseinandergesetzt haben, sogenannte Experten aus Erfahrung, einfühlend begleitet wird.

So wird eine Entstarrung der Persönlichkeitsentwicklung unterstützt und gefördert, die die starren eigenbrötlerischen Lebenseinstellungen zu überwinden hilft, unter denen viele Süchtige leiden. Aufzeigt, dass die Selbsthilfe eine andere existentielle Bedeutung für die Genesung und den weitern Lebensweg hat, als die Nachsorge durch Suchttherapeuten, weil sie durch Vorbilder die Eigenerfahrungsannahme stärkt. Dann wird die Selbsthilfe zum Ankerplatz, der hilft, eigene Grenzen und Heimat in sich zu finden.

Also: Lieber gemeinsam neugierig sein als einsam habgierig, und unser Leiden in Leben wandeln!

Schon Marx spürte diese Sehnsucht als er schrieb:

„Der wirkliche Reichtum des Individiums hängt von dem Reichtum seiner wirklichen Beziehungen ab.“

Klaus Georg

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