Hilfe für Kaufsüchtige

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In den Räumen der Bürgerschule, Stadtteil-Zentrum Nordstadt in Hannover fand heute eine Tagung unter dem Titel “Wenn das Kaufen zur Sucht wird – Verdrängung und Trauma” statt. Deutschlands bekannteste Aktivistin zur Anerkennung von Kaufsucht als Krankheit Sieglinde Zimmer-Fiene organisiert diese Veranstaltung jährlich.
Betroffene eröffneten die Tagung mit einem Theaterstück, dass die Situation von Kaufsüchtigen eindrucksvoll darlegte.

Dr.med. Dr. phil. Astrid Müller  von der MHH Hannover, Zentrum für Seelische Gesundheit Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie stellte die weltweit aktuellen Ergebnisse ihrer Forschung dar. Sie konnte belegen, dass es sich bei unkontrolliertem Kaufen um Sucht handelt. In Amerika gibt es bereits erste Ansätze, Kaufsucht im Zusammenhang mit dem Horten von Sachen in Wohnungen in die Krankheitsklassifikation DSM aufzunehmen. Deutschland hinkt mit dem ICD wie immer um Jahre hinterher.

Welche schrecklichen Folgen diese Bornniertheit für die Betroffenen hat, erklärte Rechtsanwältin Tanja Brettschneider, Fachanwältin für Strafrecht. Kaufsüchtige sind schlechter gestellt als Abhängige von illegalen Drogen. Sie können mit Therapie statt Strafe ihre Haft deutlich mildern. Kaufsüchtige bekommen diese Erleichterungen nicht. Sie landen obendrein häufig in der Forensischen Psychiatrie, zusamnen mit hochkriminellen Triebtätern.

Etwas Hoffnung verbreitete die Dipl.-Psych. Nadja Tahmassebi, die das differenzierte Behandlungsprogramm der Salus Klinik Friedrichsdorf für Kaufsüchtige erläuterte. Dipl.-Psych. Cornelia Mertens von der Hamburgische Landesstelle für Suchtfragen vertrat den Hamburger Kaufsuchtexperten Dr. Bert Kellermann, der sich seit Jahren für die Anerkennung von Verhaltenssüchten als Krankheit einsetzt. „Die Lage von Kaufsüchtigen ist bestürtzend, hier versagt das Gesundheitswesen“, erklärte sie den Anwesenden und forderte sie auf, auch als Betroffene die politische Öffentlichkeit zu suchen.

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