Erweiterung des Angebotes für Betroffene von Kaufsucht.

Kaufsucht – Beratung, Training und Selbsthilfe beim Beratungszentrum Brücke.

„Ich brauche etwas Neues, ich muss das jetzt kaufen, diese Gedanken habe ich ständig. Ich kann an nichts anderes mehr denken. Ich verbringe Stunden auf Shoppingseiten oder in Geschäften. Ich schaue nach Kleidung, Schmuck, Büchern, Hobbyausstattung, technischen Geräten oder anderen Dingen, die ich gerade unbedingt brauche. Ob für mich, für meinen Partner, für die Kinder oder Freunde. Egal, Hauptsache kaufen. Eigentlich habe ich von alledem schon viel und absolut genug. Trotzdem habe ich das dauernde Verlangen danach, noch mehr haben zu wollen und zu kaufen. Die Freude über die neue Anschaffung hält nur kurz an, denn danach empfinde ich Schuld und Scham. Aber ich kann dem Drang nicht wiederstehen …“ (Betroffene).

So oder so ähnlich klingen die Worte von Menschen, die unter einer Kaufsucht leiden. Die Beschäftigung mit dem Thema „Kaufen“ rückt im Alltag von Betroffenen zunehmend in den Vordergrund. Das krankhafte Kaufen beginnt bei unangemessenen Impulskäufen, geht weiter über Massenkäufe und Großbestellungen, bis hin zur existenziellen Bedrohung als Konsequenz eines unkontrollierbar gewordenen Verlangens. Vielleicht kommen Ihnen einige Aspekte dieser Erzählung sogar bekannt vor?

Ein Problem: Kaufen und Konsumieren ist von unserer Gesellschaft ausdrücklich erwünscht und unser gesellschaftliches System ist sogar darauf ausgerichtet, dass Menschen kaufkräftig sind. Da verwundert es nicht, dass dadurch auch ernsthafte Probleme entstehen können. Kaufsucht betrifft sämtliche gesellschaftliche Schichten und Altersgruppen. Häufig steht hinter einem unkontrollierten Konsum kein gut gefüllter Geldbeutel, sondern ein „krankhafter Kaufzwang“. Im Volksmund wird dieses häufig als Kaufsucht, in Fachkreisen als pathologisches Kaufen betitelt.

Es ist zu beobachten, dass die Anzahl der Betroffenen wächst und dennoch gibt es bis heute noch keine einheitliche psychologische Einordnung der Kaufsucht. Diagnostiziert wird meist eine Impulskontrollstörung oder Zwangsspektrumsstörung. Pathologisches Kaufen als substanzungebundene Sucht, wie beispielsweise das Pathologische Glücksspiel, einzuordnen, liegt nahe. Viele Autoren beschreiben Ähnlichkeiten zu anderen Süchten. Allerdings sind die Kriterien der Dosissteigerung und die Frage nach den Entzugssymptomen, welche sonst typisch sind für Abhängigkeitserkrankungen, weniger eindeutig. Diese bisherigen Unklarheiten und Uneinigkeiten in der Definition und Diagnostik des pathologischen Kaufens machen die Bereitstellung eines Behandlungsangebotes für Betroffene derzeit so schwer. Es gibt nur wenige Beratungsstellen, die die Kaufsucht abdecken und grundsätzlich nur wenig Behandlungs- und Therapieangebote.

Dabei ist jedoch klar festzuhalten: Pathologisches Kaufen ist definitiv behandelbar! Das Wieder-Erlernen eines angemessenen Kaufverhaltens und des angemessenen Umgang mit Geld stehen dabei im Vordergrund. Außerdem sollen Betroffene herausfinden und erkennen, was Auslöser und Gründe für die Kaufattacken sein können und mit diesem Wissen geeignete, individuelle Schutzstrategien entwickeln. Die entstehende Veränderung von Denkmustern kann Kaufattacken reduzieren und langfristige Verbesserung herbeiführen.

Unser Beratungszentrum hat ein grundlegendes Interesse daran, auch in diesem Bereich Menschen zu unterstützen. Deshalb bieten wir dazu verstärkt Beratung an und wollen unterstützen mögliche Strategien zu erlernen, die eine Verhaltensveränderung herbeiführen können. Das Beratungszentrum Brücke der Therapiehilfe e.V. wird zukünftig einmal wöchentlich eine offene Sprechstunde mit dem Schwerpunktthema Kaufsucht/ pathologisches Kaufen anbieten. Diese Sprechstunde findet dienstags von 17-19 Uhr in der Walddörferstraße 337 statt. Darüber hinaus werden die Räumlichkeiten des Beratungszentrums Brücke in der Walddörferstraße einer Kaufsucht Selbsthilfegruppe zur Verfügung gestellt.