6. Sucht- Selbsthilfetag

Was hindert Menschen, in die Selbsthilfe zu gehen?

Workshop auf dem 6. Hamburger Sucht- Selbsthilfetag am 24.Oktober 2010

Zu Anfang des Workshops berichtete ich über meine Selbstbeobachtung. Nicht nur ich selbst, sondern viele Suchtkranke suchen zwar den Kontakt zu anderen Menschen, aber ein tiefes Misstrauen hindert sie daran, stabile zwischenmenschliche Beziehung aufzubauen.

Ich erzählte kurz von meinen eigenen Erfahrungen. Von meinen Traumatisierungen aus meiner Kindheit, die ich erstmalig bewusst während meiner zweiten Entwöhnungsbehandlung durch litt. Die aus der Traumatisierung resultierenden Schamgefühle sehe ich als einen wichtigen Auslöser für meine eigene Suchtkarriere. Für meinen Ausstieg aus der Alkoholabhängigkeit war es notwendig, dass ich während meiner Langzeittherapie meine „Kapitulation vor dem Alkohol“ vollzog.

Ich wusste, dass mich der Alkoholkonsum wieder in diese depressiven „Lebenslöcher“ bringen würde und tat alles, um diese zu vermeiden. Ich suchte Lebenssituationen die mich euphorisierten. Wenn diese Wirkung nachließ fühlte ich mich ausgebrannt und erstarrte Depressionen.

Die Kapitulationserfahrung konnten die Teilnehmer, die selbst von einer Suchterkrankung betroffen sind, nachvollziehen. Sie berichteten lebhaft über eigenes Erleben. Auch über das Misstrauen danach, gab es einzelne Erfahrungsberichte. E zeigte sich auch, dass Gespräche über Schamerfahrungen in dieser Gruppe verständlicherweise vermieden wurden.

Auch wurde darüber gesprochen, dass immer weniger Menschen in Selbsthilfegruppen kommen. Ich würde mir wünschen, dass wir uns mit diesem Workshop gegenseitig einige Anregungen geben konnten.

Klaus Georg Wolff

Anmerkungen

1.) Nach wissenschaftlichen Untersuchungen gibt es in den Biografien Suchtkranker ein hohen Anteil von Menschen mit Trauma-Erfahrungen, unter anderem durch Gewalt und/oder Missbrauch.

Siehe z: B. Schäfer/Krause (Hrsg) „Trauma und Sucht“ Stuttgart 2006

A. Heinz „Serotonerge Dysfunktion als Folge sozialer Isolation – Bedeutung für die Entstehung von Aggression und Alkoholabhängigkeit“ in Der Nervenarzt 9/99

2.) Auch ich selbst hatte für diese Schamerfahrungen bisher wenig Worte. Ich erlebe sie als ohnmächtige Hilflosigkeit, lähmende, Angst‚ fühle mich überflüssig‚ gescheitert und wertlos. Wie bereits oben beschrieben, habe ich immer wieder versucht in meinem Leben diesen Gefühlen durch erregende (euphorische) Aktivitäten auszuweichen, also sie nicht zu fühlen. Dabei überforderte ich mich selbst. Leider verschwand dadurch die Scham nicht, und wenn ich erschöpft war‚ bin ich dann wieder in Depressionen versunken. Für mich wird immer offensichtlicher, das Traumata und die daraus resultierenden Schamgefühle sich „nicht- weg- machen-lassen« und nicht einfach weggedacht werden können, also muss ich lernen damit anders umzugehen.

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